Das Modell einer Gemeinde

Das Modell einer Gemeinde

Wie könnte eine Gemeinde heute aussehen? Welche Aufgaben hat eine Gemeinde? Und wie könnten diese umgesetzt werden?

Erst einmal etwas Grundlegendes: eine Gemeinde ist heute eine Institution, eine Organisation. Die erste Frage, die sich stellt, ist also: braucht es überhaupt noch Institutionen?

Institutionen haben in der heutigen Gesellschaft zwei Funktionen:

Erstens dienen sie dazu, als juristische Person an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Sie ermöglichen es, Gebäude zu mieten oder zu kaufen, sind notwendig im Steuer- und Subventionsbereich, und schirmen gegebenenfalls die Mitglieder in rechtlichen Streit- und Haftungsfragen ab.

Andererseits stiften sie Sinn und Zugehörigkeit und übernehmen organisatorische Aufgaben bei der Definition und Bewältigung gemeinsamer Projekte.

Das bedeutet, dass die Gemeinde als Institution in unserer Welt immer noch eine Daseinsberechtigung hat. Dies vor allem für traditionell denkende Menschen.

Alternativ könnte eine Gemeinde als Firma oder Firmenkonglomerat auftreten. Eine Firma hat rechtlich ähnliche Möglichkeiten wie ein Verein oder eine Institution im Allgemeinen. Auch im Zwischenmenschlichen bietet sie Ähnliches, nur dass eine gewisse Ausrichtung auf Produkt und Gewinn vorhanden ist.

Eine dritte Möglichkeit ist eine Non-Profit-Organisation. Wiederum eine rechtliche Person, hat sie eine ausgesprochen humanitäre Ausrichtung.

Viertens wäre es möglich, vollständig auf eine Organisationsform zu verzichten. Die Gemeinde wäre definiert allein durch die Beziehung der Menschen, die sich ihr zugehörig empfinden. Das Gebilde wäre organisch und selbst-organisierend.

Wie würde eine solche Nicht-Organisation handeln? Hier wäre es nicht die Gemeinde, die handelt, sondern die Menschen. Menschen, die sich für gewisse Projekte zusammenschliessen und wenn notwendig die entsprechende Organisation gründen – für dieses Projekt.

Das beantwortet bereits einen Teil der eingehenden Fragen: die Aufgabe einer Gemeinde wäre es, Menschen miteinander zu verbinden, den Austausch und die Aktion zu ermöglichen. Als Gemeinde würde sie nichts anderes tun, als die Platform zur Verfügung zur stellen.

Wie heisst es so schön in Römer 12:6-8 (Neues Leben Bibel):

Gott ist gnädig und hat uns unterschiedliche Gaben geschenkt. Hat Gott dir zum Beispiel die Gabe der Prophetie gegeben, dann wende sie an, wenn du überzeugt bist, dass Gott durch dich redet. Besteht deine Begabung darin, anderen zu dienen, dann diene ihnen gut. Bist du zum Lehren berufen, dann sei ein guter Lehrer. Wenn du die Gabe hast, andere zu ermutigen, dann mach es auch! Wer Geld hat, soll es aus freien Stücken und ehrlich mit anderen teilen. Hat Gott dir die Fähigkeit verliehen, andere zu leiten, dann nimm diese Verantwortung ernst. Und wenn du die Begabung hast, dich um andere, die es nötig haben, zu kümmern, sollst du es mit fröhlichem Herzen tun.

Um dies zu tun, brauchen wir keine Organisation. Wir brauchen keinen Sonntagmorgen-Gottesdienst mit festgelegten Zeiten für Anbetung, Lehre, Prophetie und Ermutigung, und Opferstöcken.

Was wir dazu brauchen, sind Beziehungen. Und dann geschieht, als Antwort auf unser Dienen, was Jesus wiederholt gesagt hat: Wer da hören will, der höre.

Wie aber finden sich diese Menschen? Bis anhin war es üblich, ein Gebäude zu mieten, ein Schild aufzustellen, den üblichen Sonntag Morgen als Versammlungszeitpunkt festzulegen, damit Leute spontan kommen konnten, und ein Programm anzubieten. Je nachdem schrieb man den Gottesdienst noch aus oder liess die Spurgruppe Menschen direkt ansprechen.

Auch heute ist es noch notwendig, bekannt zu werden. Das Internet bietet sich an. Es geht aber nicht mehr darum, für eine Organisation Mitglieder zu werben, sondern Beziehungen zu bauen und zu vernetzen, damit organisch etwas wachsen kann. Wie das aussehen wird? Das ist das Spannende am Ganzen. Wie sollte man das im Voraus wissen?

Accompanyist | Pastor in Exile | Iconoclast — I am a Gallup certified CliftonStrengths coach and a Spiral Dynamics practitioner.